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Die Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende


In dieser Zeit erleben wir sogar Nachts in der Natur das Überfließen der Lichtkräfte:


Die Mitternachtsdämmerung lässt auch bei uns während der ganzen Nacht einen Silberschein am Nordhimmel - wo sonst die Sonne nie zu sehen ist - leuchten.


In manchen Jahren fließt das Licht auch durch die Glühwürmchen in Wald und Gärten über als wüsste es gar nicht mehr wohin es sich noch verschenken sollte.


Wahrscheinlich wird es 2026 nicht so intensiv ausfallen, da die Kraft der Sonne zur Wende vom schwächenden Neptun beeinträchtigt ist (Sonne in Krebs Quadrat Neptun in Widder).


Umso wichtiger ist es, die Wende zu feiern, da man mit dem altem Brauch eben auch die Sonne bestärkt und ihr Kraft zurück gibt.



Dieses Jahreskreisfest ist im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern deutlich weniger von kirchenchristlichen Themen vereinnahmt - dafür umso mehr von Vor- und Volkschristlichen.


Diese sind oft untrennbar mit älteren animistischen ("schamanistischen") Ansichten und Praktiken verbunden - bei denen insbesondere Pflanzen und die Elemente Feuer und Wasser eine große Rolle spielen.



Es ist eine wichtige Zeit, um Pflanzen für herbalmagische Zwecke zu gewinnen und sich mit den Kräften der Urelemente Feuer und Wasser zu reinigen, zu heilen und zu erneuern.


Aber wie es in der Welt so ist, hat etwas was so kraftvoll ist auch seine Gefahren:


"Einen hohen Klimmer und einen tiefen Schwimmer" warnte man früher kostete diese Zeit jedes Jahr an Blutzoll.


Da denken wir heute an den Mittfünfziger, der besoffen in den kalten Baggersee springt und einen Herzinfarkt erleidet oder den übermütigen Motoradfahrer, der Rettungssanitäter und Notärzte auf Trap hält.


Früher stellte man sich das deutlich magischer vor:


Man warnte eher davor, Nachts beim Pinkeln versehentlich ein Johanneskraut zu zertrampeln, da man dann in der Regel sofort von Dunkelelfen gerichtet oder entführt werde.


Ob der peinliche Ausraster im Biergarten nun medizinisch mit der Kombination aus Alkohol und Sonnenstich oder magisch als Besessenheit weil man den enormen Kräften dieser Zeit nicht mit gebotenem Respekt begegnete erklärt wird, ist aber eigentlich im Gegensatz zur Ermahnung zur Vorsicht auch nebensächlich.



Herbalmagie und Pflanzengnosis


Auch für magische Anwendungen unserer einheimischen Kräuter ist die Sonnenwendzeit eine besondere Erntezeit, ja für manche Anwendungen die einzige zulässige Erntezeit im Jahr.


Nun ist die Magie ja in unseren beiden gesellschaftlichen Hauptglaubenssystemen Kirchenchristentum und Scientismus (Wissenschaftsgläubigkeit) vehement geächtet.


Doch genau genommen haben beide die Magie eigentlich nur monopolisiert und reguliert:


Wenn der Priester an Mariahimmelfahrt die geernteten Heilkräuter segnet und darauf achtet, dass da nicht doch irgendwo ein Bilsenkraut für Liebeszauber und Verhexung im Marienstrauss steckt, ist das einfach monopolisierte und regulierte Magie.


Das gilt ebenso für den Scientisten, der sich nach dem Urinieren die Finger wäscht - und dazu einen Wasserhahn hinterher zudreht, den vielleicht tausende Menschen mit Fäkalbakterien an den Fingern nach erfolgreichem Stuhlgang vor ihm zudrehten.


Gemessen an der Tatsache, dass das männliche Glied (regelmäßiges Duschen vorausgesetzt) mit der sauberste Körperteil dank ständiger Verhüllung durch Unterwäsche darstellt, ist das wissenschaftlich betrachtet nicht nur wirkungslos sondern maximal kontraproduktiv - manche wissenschaftliche Mediziner mutmaßen sogar dass darin eine der Hauptursachen der in Europa wütenden Feigwarzenpandemie liegt.


(Letzteres ist aber im Rahmen dieser Überlegung logischer Weise zweifelhaft, denn es könnte ja auch sein dass dieser magische Brauch - obwohl unhygienisch - durchaus einen schwerer wiegenden magischen Schutz liefert und man sich deshalb ruhig weiter die Hände nach dem Urinieren waschen kann um Schlimmeres zu verhindern.)


Aber dennoch findet sich für dieses magische Denken - das auf der verdrängten und umetikettierten kirchlichen Sicht der Sexualorgane als unrein beruht - immer ein Scientist, der das mit der Autorität von "die Wissenschaft sagt !" als Dogma propagiert, gegen den die Kirche antiautoritär wirkt.


Da scheint es fast als göttliche Gnade, dass die echte Wissenschaft mittlerweile für mehr und mehr sensorgesteuerte Wasserhähne sorgt, die den Scientisten einen gesichtswahrenden Ausweg bietet und den Menschen nach dem Stuhlgang echte Hygiene ermöglicht.



Wir sollten also beim Naserümpfen etwas zurückhaltender sein, wenn es um das Thema Magie geht, wobei natürlich jeder schauen muss wie es mit seinen Werten, seinem Glauben und auch seinem Zeitbürgertum vereinbar ist.


Andererseits warnten alle alten Kulturen berechtigter Weise, dass Magie eine Sackgasse ist oder sogar "auf das Abstellgleis des Lebens" führt - wenn nicht zu wesentlich schlimmeren Konsequenzen wenn unreine Wesen angerufen werden oder gegen den gottgewollten Lauf der Dinge verstoßen wird.



Eine sehr gewissenhafte Unterscheidung traf hier Paracelsus, der eben kein Arzt im rein materialistischen Sinne war sondern seine medizinische Praxis (für die er - selbst verarmt - oft von Armen kein Geld nahm) als christlich-mystischen Lebensweg praktizierte - in der sogenannten Christus-Medicus-Tradition.


Ähnlich wie heutige Curanderos in Lateinamerika sah er als Teil seiner Arbeit auch die Heilung von und den Schutz vor Schadenszauber und -Zauberern.


Er beschrieb die bewussten magischen Praktiken der Hexen ebenso wie die unbewusste Schadmagie, die eigentlich nicht wirklich böse Menschen durch Neid, Missgunst und Ängste gegen ihre Nächsten ausübten.


Ebenso beschrieb er Wege, dies mit der Christuskraft zu überwinden - doch beschrieb er auch schlagkräftige Abwehrzauber, falls die betroffenen Menschen nicht genug durchchristet waren um sich auf diese Art und Weise wehren zu können, und Ansätze Hexen und Zauberer zu identifizieren.


("suchst du nach der Hexe im Dorf - frage nach dem liebsten Mädchen !" ist ja ein bekanntes Zitat, wobei er für solche "Hexen wider Willen" eher soziale Zuwendung und spirituelle Hilfe forderte, aber gegen bewusste Schadzauberer auch finale Mittel nicht ablehnte falls im Rahmen der Notwehr absolut unvermeidlich.)


Er unterschied zwischen der göttlichen Sonne (Christus - göttlicher Geist) und der "Hexensonne" - die sich sehr stark in unserer Imaginationskraft und durch unsere Emotionen entfaltet und mit der wir gegen die Hierarchie - die göttliche Ordnung - verstoßen können.


Eine herbalmagische Praxis, die einfach die Gegebenheiten der göttlichen Ordnung nutzt ohne gegen sie zu verstoßen, war für ihn völlig im Einklang mit den christlichen Werten und Geboten.


Da der Lauf der Sonne durch das Jahresrad ebenso Teil der Hierarchie ist wie die Kräfte der Pflanzen, sah er die im folgenden beschriebenen Praktiken als legitim an, sofern zu einem moralischen Zwecke angewandt.



Im Folgenden geht es deshalb exemplarisch um zwei Praktiken, die moralisch und ethisch maximal unbedenklich sind da sie dem christlichen wie humanistischen Wertesystem in keiner Weise zuwider sind und durch die Häufigkeit dieser ungefährdeten Pflanzen auch überall praktiziert werden können.


Es geht auch weniger um einen Weg zum magischen Vorteil aufzuzeigen, als viel mehr um eine Inspiration, wie man den Segen dieser Zeit buchstäblich (durch die Pflanzen) "greifbar" - und damit vielleicht auch "be-greifbar" - macht.


Und wie dieses Greifbarmachen eine Wiederverbindung zur echten und guten Hierarchie (wörtlich "göttliche Ordnung") darstellt - die ebenso das heilige Konzert der Zeit wie auch die Welt der Pflanzen und Elemente umfasst.



Das Johanniskraut (Hypericum perforata)


Mehr als alle Pflanzen wird wohl das Johanniskraut mit dieser Zeit assoziiert, nach dem es ja auch benannt ist (Johanni - 24. Juni).


Es galt auch dem Paracelsus als Speicher der heilsamen und dämonenabweisenden Sonnenkräfte.


Paracelsus sah es zwar als Aberglaube an dass Johanniskraut NUR an Johanni geerntet medizinisch wirksam sei, aber er sah es eben zum einen als zu dieser Zeit am stärksten und andererseits tatsächlich auch für Herbalmagie angezeigt, es genau an diesem Zeitpunkt zu ernten.


Als herbalmagische Anwendung empfahl er als Mystiker der Christus-Medicus-Tradition, das zur Sonnenwende geerntete Johanniskraut für längere Zeit in einem Beutel genau an der Stelle des Herzens zu tragen:


Dies bewirke dass die Mitmenschen einem tendenziell freundlicher begegnen aber vor allem versprach er, dass sich nach "einiger Zeit" ein großes unaussprechliches Geheimnis offenbare.


Genauere Zeitangaben macht er leider nicht, doch ich habe mehrfach von Menschen, die es taten, gehört, dass sich ein tiefes Geschehen nach ein paar Wochen bis 6 Wochen erleben lässt.


Ganz wichtig (!) ist, dass das nur mit Johanniskraut funktioniert, dass nicht mit Metall (Kupfer und Gold gingen wohl) geerntet wurde sondern im besten Fall einfach durch Brechen oder durch ein Keramikmesser.


Und eben genau so wichtig(!), dass es genau zu Mittag (wahrer Mittag - meist ugf. 13:30 an diesem Tag in Deutschland) geerntet wird (also zwischen 13:30 - 14-30, manche sagen auch ab 12:30 (nach der alten Doppelstundenrechnung, auf der auch unser Ziffernblatt basiert, eben "die Mittagsstunde").


Allerdings geht es nach Ansicht vieler Astrosophen tatsächlich ab dem eigentlichen Sonnwendtag für 4 Tage, da nach alter Rechnung die Wende energetisch 4 Tage dauert (Johanni ist halt auch der 24.te und nicht der 21.te)


Die dritte unverzichtliche (!) Grundbedingung ist, dass man niemand von seinem Vorhaben erzählt, der nicht selber in dem Moment miterntet:


"Magie wirkt wenn man nicht darüber spricht." ist ein striktes Dogma sowohl der europäischen wie auch der asiatischen magischen Traditionen - dieses gilt für alle in diesem Text beschriebenen Anwendungen bis diese Handlungen abgeschlossen sind (!).


Eine andere mit unseren Werten vertretbare herbalmagische Anwendung nach diesen Regeln geerntetem Johanniskraut ist es, dies über der Eingangstür und eventuell allen Fenstern als Schutz für das Haus gegen das Böse aufzuhängen.


Im Gegensatz zu anderen schutzmagischen Kräutern war es beim Johanniskraut nicht nötig - falls nach diesen Regeln geerntet ! - dass es zu Mariahimmelfahrt vom Pastor gesegnet wurde.


Paracelsus pries es überschwenglich mit den Worten, dass auch in der neuen Welt niemals ein Kraut entdeckt würde, dass größere Macht gegen das Böse haben werde als das Johanniskraut.


Auch wenn man es in dunklen Rauhnächten räuchert, wird der offene Geist sehr schnell wahrnehmen, dass sich im Rauch auch einer sehr kleinen Menge eine Lichtkraft entfaltet, die einen ganzen Raum zuverlässig schützt.



Beifußwurzel (Artemisia vulgaris radix)


Der Beifuß wird in der ältesten erhaltenen germanischen Kräuterbeschwörung ganz besonders geehrt:


„Erinnere dich, Beifuß, was du verkündetest, was du anordnetest in feierlicher Kundgebung. Una heißest du, das älteste der Kräuter; du hast Macht gegen drei und gegen dreißig, du hast Macht gegen Gift und Ansteckung, du hast Macht gegen das Übel, das über das Land fährt.“ (aus dem altenglischen Lacnunga).


Er wird der Ahnengöttin Una zugeordnet und hatte bei den Germanen wohl eine ähnliche Bedeutung wie der Tabak bei den Eingeborenen der neuen Welt - daher kann es ein Blogbeitrag sicher nicht leisten, alle Anwendungen des Beifuß erschöpfend darzustellen, ja selbst für ein Buch wäre es mindestens schwierig.


Die meisten Anwendungen beziehen sich aber auf das blühende Kraut, das zur Sonnenwende in Deutschland meistens ohnehin nicht vorliegt - die Verwendung von nichtblühendem Kraut galt mitunter sogar als schädlich.


Hier soll es also um die um die um Mitternacht der Sonnwendnacht geerntete Wurzel gehen - natürlich genau zu Mitternacht genau in der Sonnwendnacht (2026 Nacht auf den 21.6) und ohne Metall geerntet.


Weiterhin ist es wichtig, diese Wurzel niemals (!) - auch nicht für den kürzesten Augenblick - dem Sonnenschein auszusetzen - ihre Kraft würde augenblicklich erlöschen.


Eine gut gehütete Wurzel konnte man dagegen sogar innerhalb der Familie vererben und das wurde auch getan - als so wertvoll galt sie:


Denn wenn man jemals von der Gemeinschaft zu Unrecht für etwas beschuldigt wurde, garantierte das Tragen dieser Wurzel am Körper, dass kein falsches Urteil über einen gesprochen werden konnte.


Im Gegensatz zur Eisenkrautwurzel, dass vor Gericht getragen immer für einen maximal positiven Ausgang für den Träger sorgen sollte, führte das Tragen einer Beifußwurzel immer zu einem gerechten Urteil und war damit moralisch deutlich akzeptierter.


Auch bei Streit unter Freunden, wenn man sich ungerecht behandelt fühlte, konnte man mit dieser Wurzel Gutes erreichen.


Besonders begünstigte Menschen fanden beim Graben ohne Eisen angeblich manchmal ein paar magische glühende Kohlen - wer diese fand hatte so etwas wie den Stein der Weisen gefunden und würde wohl eher nie davon erzählen.


Vielleicht gibt es deshalb keine Nachweise dieser Johanniskohlen und man schrieb sie - im Gegensatz zur oft bezeugten herbalmagischen Kraft - auch früher schon eher dem Bereich der Legenden zu.


Das Sonnwendfeuer


Ähnlich wie Ostern war die Sonnwendfeier einer der Jahreskreispunkte, an denen man als Gemeinschaft ein Feuer entzündete dass man hinterher mindestens bis zum nächsten sakralen Festpunkt als Herdfeuer hütete.


Absolut wichtig war es, dass alle Anwesenden es gemeinsam entfachten - dafür gab es früher spezielle riesige Feuerbohrer die man gemeinsam wie bei einem Tauziehen (ohne Verlierer) bediente.


Die Hausfrauen hatten meist ein gutes Gespür, ob das alte Herdfeuer noch schützte und nährte oder ob man sich neues Feuer nach Hause mitnahm - wobei man natürlich vorher das alte Herdfeuer löschte.


Länger als ein Jahr - wobei aber meist nur das Osterfeuer so lange verwendet wurde - war es bei uns meist nicht, da unsere Ahnen wie die meisten Völker eben auch davon ausgingen, dass die Kraft des Feuers der Alterung unterliegt.


Eine bemerkenswerte Ausnahme ist da in der Menschheitsfamilie das Feuer von Benares: Dieses wurde der Überlieferung nach vor einigen Jahrtausenden von Shiva persönlich entzündet und wird bis zum heutigen Tag von den Dom - den nächsten Verwandten der europäischen Roma - gehütet.


Seine Kraft soll nicht altern und bis heute lassen sich reiche Inder dort nach ihrem Tod verbrennen, da es immer noch die Kraft habe alles Restkarma aus dieser Inkarnation zu verbrennen.


Unser Sonnwendfeuer wurde hingegen mehr von den Lebenden in Anspruch genommen: Der Sprung über das Feuer ist da wohl der bekannteste Brauch - er soll uns von allen astralen Krankheitskeimen reinigen und Kraft für die nähere Zukunft geben.


Oft wurden auch heilige Gegenstände oder kostbare Medizin beim Sprung durchs Feuer mitgenommen oder einfach am Feuer aufgeladen um sie zu reinigen und ihre Kraft zu erneuern und zu erhöhen.


Manchmal werden aber bis heute in manchen Regionen sehr große Feuer entfacht, über die wohl nur Chuck Norris erfolgreich springen könnte:


Das wird in dem Glauben getan, dass wo immer der Schein des Sonnwendfeuers hin gelangt die Ernte geschützt und gesegnet wird - und nicht nur die Ernte:


So gibt es Gegenden in Tirol wo heute noch mit zehntausenden einzelnen Feuern jedes Jahr dieser Schutz erneuert wird, weil in es sich in der Geschichtsinterpretation der Tiroler sehr eindrücklich bewährt hat:


Napoleons Truppen besetzten einst weite Teile Tirols und wie Leute, die einem mit militärischer Gewalt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bringen wollen so sind, ging es mit furchtbarer Brutalität gegen die Lebensweise und den Glauben der Urbevölkerung einher.


Die mutigen Tiroler ließen sich aber nicht einschüchtern und machten kurz vor der befreienden Schlacht nicht nur überall riesige Sonnwendfeuer sondern ließen auch brennende Räder von jedem Hang herabrollen um das ganze Tiroler Land zu erleuchten und zu schützen.


Kurze Zeit später erfolgte eine Befreiungsschlacht, die - wider Erwartungen der damaligen Militärexperten Europas - ein voller Erfolg war.


So wird dieser Brauch bis heute penibel eingehalten und gepflegt.



Das Wasser


Das andere große Element der Sommersonnenwende ist das Wasser: Rituelle Bäder sollten Reinigung und Heilung bringen, Alchemisten sammelten den Morgentau für ihre Medizinen und auch Taubäder früh morgens im Gras sollten den lichten Wassersegen auf die Menschen übertragen.


Es ist auch neben der Mainacht und Ostern einer der Termine zum Abfüllen des Heilwags:


Der Heilwag ist das von einem lauteren Menschen stillschweigend zu sehr genau bemessenen Zeitpunkten abgefüllte Quellwasser.


Leider gibt es in esoterischen Kreisen ja eine verderbliche Tendenz die Dinge zu locker zu nehmen: Wenn man sagt Heilwag soll zur Mitternacht abgefüllt werden meint das eben Mitternacht (1:30 - 2:30 in der Eifel an diesem Tag) und nicht irgendwann nachts.


Lauter wurde zwar weniger festgelegt, aber ebenso konsequent gehandhabt: Oft wurde es von jungen Mädchen abgefüllt, die bis sie das Wasser zu Hause verstaut hatten mit niemandem sprechen, ja nicht mal grüßen dürften.


Sollte auf dem Heimweg nur ein einziges Wort gefallen sein, sprach man von wertlosem "Plapperwasser".


Wenn es aber Erwachsene abfüllten, galt eine abgelegte Beichte als ebenso gültige Läuterung wie der Sprung über das Sonnwendfeuer.


Es gab also mehrere Möglichkeiten, aber ein nach bestem Wissen und Gewissen ernsthaftes Bemühen war immer die Voraussetzung - ansonsten war es eben "nur" Wasser.



Feuer, Wasser, Johannessymbolik und die Astrosophie


Die Benennung der Sonnenwende nach Johannes dem Täufer beinhaltet eine tiefe Symbolik, die sich insbesondere auf das Wasser bezieht - denn Johannes taufte mit Wasser und die Wassertaufe durch die Gemeinde kommt idealer Weise vor der Feuertaufe durch den Christus.


Im Tierkreis steht nun die Sonne für etwa einen Monat im Wasserzeichen Krebs und unter der Regentschaft des Mondes.


Der Mond ist ja auch schon im Volksaberglauben mit dem Wasser verbunden, was schon allein durch messbare Phänomene erklärbar ist wie Ebbe und Flut oder die wesentlich höhere Saftausbeute von zu Vollmond gegenüber zu Neumond geernteten Äpfeln.


Das Wasserelement ist wiederum mit dem Gemüt assoziiert - man hört es in Redewendungen wie "Nah am Wasser gebaut".


Die Sonne wiederum mit dem Feuer, was sie in jedem Moment dadurch bekräftigt dass sie Licht und Wärme gibt - es steht für den echten Geist des Menschen, den leider viele Menschen nicht mehr vom Verstand unterscheiden können.


Nun wandert der erhabene Feuerplanet in das Zeichen des Wasserherschers und steht nun etwa einen Monat unter seiner Regentschaft - als wäre es eine Umkehrung der Hierarchie (göttliche Ordnung).


Aus chinesisch alchemistischer Sicht ist die Verbindung von Feuer und Wasser mit dem Thema Unsterblichkeit und Erleuchtung verbunden und entsteht durch die Unterordnung des Feuers unter das Wasser.


Denn nur wenn sich das aufsteigende Feuer unter das absinkende Wasser stellt, können diese beiden höchsten Urelemente sich wahrhaft verbinden.


Eine ähnliche Sichtweise findet sich auch in der westlichen Alchemie, in der der Alkohol früher auch als "Wasser des Lebens" bezeichnet wurde, weil diese Flüssigkeit eben auf der Zunge und in der Flamme brennt - auch den Indigenen Nordamerikas wurde die deshalb angenommene Heiligkeit des Alkohols zum Verhängnis.


Paracelsus lehrte die Bauern das Schnapsbrennen, verschaffte ihnen damit ein hervorragendes Desinfektionsmittel und die von ihm angenommene Supermedizin wenn Tropfenweise genossen zur freien Verfügung - verschärfte damit aber ebenfalls die Jahrhunderte lang grassierende Alkoholismuspandemie.


Hätte er ahnen können, dass es die Bauern ihm gleich tuen würden ?


(Paracelsus wurde oft wegen seiner häufigen Alkohol- und Opiumexzesse gerügt.)


Um in der astrologischen Bildsprache zu bleiben, durchwärmt und durchlichtet die Sonne nun die Kräfte des Gemütes oder das Geistige (Sonne) wirkt im Gemüte (Mond), bevor es dann in seinem eigenen Zeichen Löwe in seiner eigenen Herrlichkeit strahlt.


So bestand auch der, der mit Feuer tauft (Jesus), darauf von dem, der mit Wasser tauft (Johannes), zuerst getauft zu werden - auch gegen dessen Protest:


"Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er es geschehen." .


Langjährige Studien des US-Militärs haben gezeigt, dass eigentlich alle Emotionen die Geistesklarheit trüben und beeinträchtigen - mit Ausnahme der Dankbarkeit und der Anerkennung, die in bestimmten östlichen Traditionen auch als die einzig spirituell reinen Emotionen gelten.


Der große Mystiker des Mittelalters Meister Eckhard, dem moderne Psychologen ebenso wie buddhistische Gelehrte in Japan Anerkennung zollen, hatte wohl Recht als er sagte:


"Wäre das Wort ‚Danke‘ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen."


In diesem Sinne wäre auch es allein schon eine schöne und tragende Verbindung mit dem Segen dieser Zeit, dass wir einfach dafür dankbar sind.

 
 
 

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