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Das Osterfest

Von allen traditionellen Festen in Deutschland bedient das Osterfest die meisten alten und neuen Mysterien der Menschheitsfammilie in einem.


Es geht sogar so weit, dass selbst ein Atheist an diesem Tag einen berechtigten Grund zum Feiern hat - wenn wir feiern als Ehren und Nähren dieser Mysterien mit Aufmerksamkeit verstehen.


Das Osterfest ist außerordentlich reich ebenso mit Natursymboliken aus dem Tier- und Pflanzenreich gesegnet wie auch mit astrologischen und leitet sich nach der Wortherkunft wahrscheinlich nach Jakob Grimm von der Frühlingsgöttin Eostrae ab.


Zwar zweifelt der moderne akademische Geist-der-stets-verneint die Existenz dieser heidnischen Göttin stark an, aber Grimm war halt nicht nur ein Märchenonkel sondern auch ein hochangesehener Sprachwissenschaftler einer Zeit, in der man der Wissenschaft noch guten Gewissens ein hohes Ansehen zugestehen konnte.


Der Name der Göttin hängt auch mit dem althochdeutschen Wort für Osten "Oeste" zusammen und begründet damit auch einen Zusammenhang zur Frühjahrsgleiche, in der die Sonne ja genau im Osten aufgeht.


Da die germanischen Stämme ja mehrheitlich arianische Christen waren, die sich mit den heidnischen Kulten nicht grundsätzlich in Feindschaft sahen, scheint das Osterfest aus einer gelungenen Gemeinschaftsarbeit verschiedener spiritueller Strömungen entstanden zu sein.


Den Arianern - die ja von den Katholiken leider ausgerottet wurden ohne dass man ihre kulturellen Schätze bewahrte - sagt man ja auch geradezu eine Obsession für die Pflanzen und deren Formen nach.


Die gotische Architektur war ja der katholische Versuch die sakrale Architektur der arianischen Goten wiederzubeleben und viele Elemente in ihr gleichen Grundmustern der Pflanzenwelt.


Für viele frühe Christen war der Mensch ein Wesen im Spannungsfeld einer pflanzlichen und einer tierischen Natur - wobei die pflanzliche die göttliche und die tierische die niedere Natur war.


Weil die Tiere eben durch Begierden bewegt werden, während die Pflanzen sich rein an dem Sonnengeist - der für die frühen Christen eben auch der Christus war - ausrichten und auch die Sonnenkräfte so umwandeln dass sie den anderen Wesen als Medizin und Nahrung dienen.


Durch die Architektur der Gotik - die sich ja an die arianische anlehnt - sollte der pflanzenartige Anteil des Menschen durch Aufmerksamkeit gefördert werden.


So verwundert es auch nicht, dass die Osterbräuche neben tierischen auch einen reichen Fundus pflanzlicher Symbole beinhalten - erst Recht, wenn wir Gründonnerstag mit einbeziehen.


Doch zunächst zu den Tieren und ihren Symboliken:


Vom Osterhasen


Der Hase wird von den alten Kulturen der Welt wie kaum ein anderes Tier mit dem Mond verbunden:


Chinesen, Japaner und Koreaner sehen keinen Mann im Mond sondern einen Hasen, der dort Elixiere der Fruchtbarkeit und der Unsterblichkeit herstellt.


Auch Azteken und andere mittelamerikanische Kulturen sehen im Mond das Bild eines Hasen, das der Gott Quetzalcoatl aus Dankbarkeit und Anerkennung für den Hasen dort platzierte.


Nachdem Quetzalcoatl nämlich bei einer Reise auf die Erde vergaß Proviant einzupacken, bot sich ein Hase dem Gott als Nahrung an.


Tief berührt verewigte er das Bild des Hasen mit den Worten: „Du vermagst nur ein Hase zu sein, aber jeder wird deiner gedenken, siehe da, dein Bild im Licht, für alle Menschen und alle Zeiten.“


Interessanterweise gibt es unter den räumlich weit entfernten indischen Buddhisten eine ganz ähnliche Legende:


Dort beschlossen verschiedene Tiere, dass sie sich mal in Werken der Nächstenliebe probieren wollten.


Ein Himmelskönig, für den das sehr interessant klang, beschloss nun zu prüfen ob die Tiere das auch ernst meinten.


Er manifestierte sich als alter hungriger Greis und die Tiere brachten ihm nun verschiedene Mahlzeiten, die sie nach ihren Kräften organisieren konnten.


Nur der Hase war verzweifelt, denn er verstand es nur Gras abzunagen.


So opferte er sich kurzerhand selbst und legte sich in das Feuer, das der Greis angezündet hatte.


Sofort schützte er den Hasen mit seinen magischen Kräften und outete sich als der, der er war.


Und tief berührt über das selbstlose Opfer des Hasen verewigte er ihn in seinem Reich am Mond so, dass die ganze irdische Schöpfung immer den edlen Hasen in Erinnerung behielt.


Wir finden also in diesen alten Kulturen die immer gleichen Themen, die der Hase verkörpert: Fruchtbarkeit, altruistischer Opferwille und Auferstehung.



Doch der Osterhase selbst ist ein sehr deutsches Phänomen, das man sicher als großen Exportschlager der deutschen Kulturnation betrachten kann:


Es waren deutsche Auswanderer, die die Amerikaner zum Osterhasen bekehrten, und Dank des kulturellen Einfluss der USA ist er weltweit bekannt und in seiner Schokoladeninkarnation in den Supermärkten aller christlichen Länder heimisch geworden.


Laut Grimm ist er das Begleittier der Frühlingsgöttin und war bei den Nordvölkern vor allem ein Fruchtbarkeitssymbol.


Auch aus biologischer Perspektive ist das sehr stimmig: Häsinnen sind im Gegensatz zu den meisten Säugetieren während ihrer Trächtigkeit schon wieder Empfängnisbereit und suchen ihren Rammler (Fachwort für den männlichen Hasen) auch während ihre Jungen noch im Nest hocken wieder auf.


Mit dem Geist des Hasen hätten wir heute mit Sicherheit nicht das Gleiche Demographieproblem.



Vom Osterei


Als man in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts an den Universitäten LSD-Experimente machte, stellte man bei tausenden Versuchen fest, dass bestimmte Bilder sich bei Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen immer wiederholten.


Eins der Häufigsten war die Vision eines Eis, dass das gesamte Universum als Potential enthält.


So kam es in der Philosophia perennis zum Begriff des "Weltenei", was sich besonders im indischen Schriftencorpus schon seit Jahrtausenden ausführlich behandelt findet:


Sogar der Schöpfer selbst gebar sich aus diesem Weltenei nach diesen Schriften.


Ernst Jünger schrieb einst, dass der Astrologe das unermessliche Privileg hat, stets daran erinnert zu werden, dass ihm in jedem Menschen das ganze Universum gegenüber steht.


Und auch der Mensch entwickelt sich aus einer Eizelle - natürlich ohne harte Schale.



Aber das Ei selbst ist nicht genug - es bedarf eben der penetrierenden, phallischen, "rammelnden" Kraft um das Leben weiterzugeben.


Und so ist auch im Zeitalter des Genderns der Osterhase wohl bei den allermeisten intuitiv eben ein Rammler und keine Häsin.



Der Osterhase und das Osterei sind also die jugendfreie Darstellung eines der größten Mysterien des Seins - im Mikrokosmos wie im Makrokosmos, im Himmel wie auf Erden und in der Materie wie im Geiste.


Und unbewusst ehren auch heute noch die meisten Menschen in unserer Kultur so einmal im Jahr dieses, und tragen damit zum Erhalt der Schöpfung bei.



Von Lämmern und Fischen


Vielleicht ist manchem schon mal der Widerspruch aufgefallen sein, dass Jesus einerseits als Lamm Gottes gilt aber die christliche Religion als solche die Fische für sich als Symbol wählte.


Das hängt mit alter astrologischer Symbolik und der Entdeckung der Präzession - der Bewegung des Frühlingspunktes durch die Ekliptik - zusammen.


Der Frühlingspunkt (siehe Text über die Frühjahrsgleiche) bewegt sich ja in der entgegengesetzten Richtung durch die Ekliptik als die Sonne - und natürlich wesentlich langsamer:


Ein sogenanntes "platonisches Jahr" oder "Weltenjahr" dauert etwa knapp 26000 Jahre.


Schon Platon wusste, dass es wesentlich größere Zyklen am Himmel gibt als die der Planeten - dass er schon von der Präzession wusste, wird von der modernen Forschung verneint obwohl zumindest eine anerkannte Quelle eindeutig belegt, dass er davon nach eigenen Aussagen "von den Ägyptern gehört hat".


Auf jeden Fall spekulierte er, dass mit der Vollendung eines großen Zyklus auch eine grundsätzliche Erneuerung der Schöpfung einhergehen müsse.


Spätestens ab 300 vor Christus aber wusste man schon wesentlich mehr über die Präzession und erkannte auch, dass der Frühjahrspunkt sich wieder stark dem Anfang des Widders näherte.


Je nach dem was man annimmt, mit welchem Stern des Sternbild Widder beginnt, kommt man also etwa zu Christi Geburt zu dem Zeitpunkt, an dem der Frühlingspunkt sich zwischen den Sternbildern Widder und Fische befindet.


Wenn man so will war zu diesem Zeitpunkt tropischer und siderischer Tierkreis gleich.


Also erwarteten Griechen und hellenisierte Juden wie auch andere Völker aus dem alten babylonischen Reich, die der Astrologie und griechischen Philosophie kundig waren, voller Hoffnung auf ein "Eingreifen des Himmels".


Und Jesus war also noch das "Lamm" ("Widder") - während die, die ihm in Zukunft nachfolgen, eben "die Fische" sind.


Allerdings hat das Sternbild Widder auch einen eigenen Bezug zum Thema Vater-Sohn-Opfer:


Einer griechischen Legende nach sollte nach einem gefälschten Orakelspruch ein gütiger König einst seinen Sohn opfern um eine Hungersnot zu verhindern.


Doch man hatte die Rechnung ohne Hermes gemacht, der einen goldenen Widder losschickte um den Jungen Prinzen zu retten und an einen sicheren Ort zu bringen.


Nachdem der Widder ihn errette, wies er den Prinzen an ihn augenblicklich an den Kriegsgott Ares zu opfern - was dieser auch tat.


Die Götter, die das alles beobachteten, ließen den Widder dann am Himmel als Sternbild Widder wieder auferstehen um seine Tat zu ehren.



Auch bei den alten Hebräern war der Widder ein beliebtes Opfertier und natürlich (als "Sündenbock" auch schon mit dem gleichen Motiv wie es Jesus später für die Christen wurde ) der wesentlich gewichtigere und ausschlaggebende Einfluss in diesem Symbol.


Es geht da aber nicht um eine Art "Urheberrechtsstreit" sondern um die enge Verbundenheit der griechischen und der jüdischen Geisteliten, die - außer gelegentlichen Säuberungsaktionen in manchen Synagogen durch puristischere Rabbis - äußerst respektvoll und fruchtbar vielleicht gerade wegen der extremen Verschiedenheit dieser Kulturen in ihrer Blüte damals statt finden konnte.



Und das neue Testament wurde vollständig auf Griechisch verfasst, also für Zuhörer, die zumindest mit der griechischen Kultur vertraut waren.


Da ist es naheliegend, wenn man für ein Evangelium mehrere Versionen von Jesuswörtern mit Symbolen hat, die zu wählen, die auch im griechischen Geistesleben ähnlich vorkommen.


Und der hellenistische Einfluss erklärt auch warum so viel Astrologie teils sehr offen (die drei Könige waren sogar in den alten Lutherbibeln noch Sterndeuter/Magoi - Priester auf Astrologie basierender Mysterienschulen), teils erst wenn man genau hinschaut in den Evangelien enthalten ist.


Denn die Griechen und griechisch Gebildeten hatten ein Weltbild, für das Astrologie wahrscheinlich etwa so grundlegend war wie für unseres die Physik.



Gründonnerstag und die grüne Neune


Zumindest die nicht mehr ganz so jungen unter uns kennen mit Sicherheit noch den Ausruf des Erschrocken Seins : "Ach du grüne Neune !".


Dieser war (und ist?) eine wortmagische Anrufung - ein "Zauberspruch" - um die schützende Kraft aus dem Pflanzenreich zu erbitten.


Denn die Germanen glaubten, dass kein Unheil den Menschen bedrohen könnte, wenn er von neun Pflanzengeistern vereint geschützt werde.


Welche Pflanzen es genau sein sollten, ist von Region zu Region verschieden, es ist aber manchen wichtig, dass es Pflanzen sind die sich untereinander gut verstehen.


Besonders wichtig ist aber hier die Zahl Neun - die zentrale heilige Zahl der Völker die man heute aus politischen Gründen indogermanisch nennt, wobei der in der akademischen Literatur vorher verwendete Begriff arisch eigentlich weniger diskriminierend wäre:


Denn indogermanisch schließt nicht nur Slaven, Kelten, einige Nahost- und Nordafrikavölker aus, sondern auch die vielleicht Ältesten der Völker dieses Zweiges der Menschheitsfammilie: Die Iraner.


Genau wie die semitischen Völker zumindest annähernd vollständig den Mondkult und die Zahl 7 favorisierten, favorisierten die indogermanischen Völker den Sonnenkult und die Zahl 9.


In unserer indogermanischen deutschen Kulturnation mit ihrer Religion, die unleugbar starke semitische Wurzeln hat (natürlich auch starke griechisch-indogermanische in den Evangelien), treffen sich zahlreiche Siebener- und Neunerbräuche im geistigen Leben.


So gab (und gibt es vielleicht noch) "neunerlei Kraut", "neunerlei Holz" (in der Regel als Schutzamulett aber manchmal auch als Möbelstücke), Neunkräuterräuchermischungen und eben die Gründonnerstagsuppe mit neun Kräutern.


Man sprach der Gründonnerstagssuppe einen Gesundheitsschutz zu, der bis zum nächsten Gründonnerstag anhielt.



Karfreitag und die Mysterien des Todes


Als vor langer Zeit die Jäger noch ihre Kugeln selber aus Blei gossen, taten sie dies besonders bevorzugt am Karfreitag:


An diesem Tag - an dem sogar Gott sterben konnte - galt die Kraft des Tötens als unermesslich erweitert.


Auch wurden von Magiern an diesem Tage die sogenannten "Wetterkugeln" gegossen, mit denen man in herannahende Unwetterfronten schoss um die Ernte und die Menschen vor Unwettern zu schützen - wenn Gott an diesem Tage sterben konnte, konnte man auch wahrscheinlich alles andere töten.


Wobei hier vor einem fatalen Fehlschluss gewarnt werden sollte, denen leider sehr oft wissenschaftsgläubige (also eben keine wissenschaftlichen) Menschen erliegen:


Jesus wurde nicht getötet, niemand konnte ihm das Leben nehmen ("Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater." Joh 5,26).


Wenn man bedenkt dass mancher Bestseller zur "wissenschaftlichen Widerlegung des christlichen Glaubens" hauptsächlich auf das Argument stützt, dass man so schnell nicht am Kreuz stirbt, sagt das sehr viel über die "wissenschaftliche Sorgfalt" aus, die die Autoren zustande brachten.


Es ging eben bei der Kreuzigung vor allem darum, dass der Gottmensch als einziger gerechter Mensch von den Rabbinern (bis dahin mit "göttlicher" Richtergewalt ausgestattet) verurteilt wird - damit sich alles Böse im blinden Hass auf ihn projizierte und damit eben auch unfreiwillig zu Gott zurück kehrte und damit die Schöpfung wieder heil (anderes Wort für ganz: holy kommt von "whole" im Englischen) machte.


Dennoch hatte Jesu Tod natürlich eine tiefe und wesentliche Bedeutung, und das gleich aus mehreren Gründen:


Die gnostischen und gnostisch-christlichen Lesarten durch die Zeiten


Im Folgenden beziehe ich mich auf die noch bis vor 20 Jahren verbreitete Definition von Gnosis zum ersten als eine schon vor Christi Geburt bis heute bestehende Bewegung von Erkenntnissuchern verschiedener Völker und Religionen, denen die Antworten ihrer eigenen Tradition auf spirituelle Fragen nicht reichten.


Sie waren also entschlossen ohne Denkverbote zu forschen und praktizierten auch mystische Praktiken anderer Völker - denn Gnosis bedeutet wörtlich übersetzt "erkennen".


Eine besonderen Stellenwert in ihren Erkenntnispraktiken wie in den Begriffen ihrer Kommunikation nahmen früher Alchemie und Astrosophie ein - die damals von allen Völkern praktiziert wurden und deshalb auch eine gute Grundlage zum Verständnis über kulturelle Grenzen hinweg ermöglichten.


Zum zweiten waren sie geeint in der Vorstellung dass die Wesenheit, die sich zu ihrer Zeit als Gott ausgab, nicht der wahre Gott sondern das oberste der unlichten Wesen war.


Sie nannten dieses Wesen den "Demiurg".


Innerhalb dieser Bewegung kann man zwischen Gnostikern und gnostischen Christen unterscheiden.


Erstere sahen in Jesus "nur" einen Lehrer oder Propheten wie der Islam, und tatsächlich scheinen Alevitentum und Sufismus in großem Maße von Gnostikern geprägt zu sein.


Aber ebenso der Mahayana-Buddhismus in Indien und einige der abertausenden unter dem Oberbegriff Hinduismus geführten spirituellen Traditionen Indiens.


Gnostische Christen waren ein Zweig am Stamm der Gnosis, die der Minimaldefinition von Christen gerecht wurden:


Nach dem 30jährigen Krieg, als die Christenheit mal wieder einen lichten Moment hatte, einigten sich viele Theologen über alle Konfessionen hinweg, dass als Christ zu gelten hat wer zwei Grundbedingungen erfüllt:


1. Der Glaube, dass Jesus der Christus war, der Logos oder der "Sonnengeist".


2. dass er am Karfreitag am Kreuz alle Sünden (auch die der Zukunft) auf sich nahm um damit den Menschen einen neuen Weg zu eröffnen.


Interessanterweise dachten aber die alten gnostischen Christen dabei oft auch noch an die Erde - so gesehen waren sie - obwohl sie die Materie als unrein betrachteten - auch schon Erdenhüter:


Im gnostisch-christlichen Weltbild war nämlich die Erde Sophia, eine Schöpfergöttin, die leider unter den Bann des Demiurgen geriet und sich selber mit ihrer Schöpfung identifiziert und in ihr wie in einem Albtraum gefangen ist (da die Schöpfung durch den Anteil des Demiurgen auch teilweise ins Böse kippte).


Wer den Film Inception kennt, kann den als sehr passende Analogie betrachten.


Der Christus - nach manchen Erzählungen ihr Gemahl aber nach allen ihr Schöpfungspartner - manifestiert sich nun als Sonne um ihr nahe zu sein und um sie zu befreien.


Da er sich nicht selber direkt in diesen Albtraum inkarnieren kann ohne Sophia zu schaden, schickt er eine Art Vorhut aus einer besonderen Klasse Erzengelwesen (Engel mit freiem Willen), die aber nur unter der Bedingung inkarnieren können, dass sie vergessen wer sie sind und unter dem Einfluss der Versuchung stehen: Die Menschheit.


Nachdem die Menschheit nach langem Ringen sich endlich ausreichend geläutert hatten, konnte nun ein Mensch geboren werden der mit dem Sonnengeist vollkommen verschmelzen konnte ohne zu verbrennen.


Steiner sieht da hohe Verdienste bei den Buddhisten, und der Buddhismus expandierte ja gewaltig (u. a. Teile Russlands und des nahen Ostens waren buddhistisch) bis er kurz vor Jesu Geburt dann ebenso gewaltig

implodierte und sich heute hauptsächlich auf Teile Asiens beschränkt.


Der Buddhismus drängte das falsche Ego so weit zurück, dass das wahre Selbst (der innere Christusfunke) nun in Erscheinung treten konnte - damit hatte er nach Steiner seine erste Aufgabe im Weltenplan erfüllt.


Doch das war nur eine von drei Bedingungen für die Befreiung der Sophia und der Menschen:


Die zweite war, dass die vom Demiurgen mit Richtergewalt ausgestatteten Rabbiner ihn unschuldig zum Tod verurteilen, denn nur so konnte er die Schuld der Menschen auf sich nehmen.


Die dritte war, dass er durch den Tod geht und beerdigt wird und er so mit der Erde vereint ist.


Was für den neugnostischen Christ Steiner dann geschah, beschreibt er wie folgt:


"Als das Mysterium von Golgatha stattfand, wurde der irdische Körper des Jesus von Nazareth den Elementen der Erde übergeben, und von der Zeit an war der Christus verbunden mit der geistigen Sphäre der Erde und lebt darin.“ (GA 152, S. 39f)


"Hätte in der vorchristlichen Zeit irgendein Wesen - zunächst mit hellseherischer Kraft - von einem fernen Weltenkörper auf die Erde herunterblicken können, dann hätte es gesehen, wie die Erdenaura nach und nach verglomm und am dunkelsten wurde in der Zeit, die dem Ereignis von Golgatha voranging. Dann aber hätte es gesehen, wie die Erdenaura aufleuchtete in neuen Farben. Die Tat auf Golgatha hat die Erde mit einem astralischen Licht durchdrungen, das nach und nach zum ätherischen und dann zum physischen Licht werden wird." (GA 112, S. 247f)


Davon sehen wir derzeit noch nicht so viel - doch leben wir ja auch erst Ende Januar im neuen platonischen Jahr.


Eine Parallele zu einer naturwissenschaftlichen Beobachtung drängt sich mir hier besonders auf: Dem Zinkfunken.


In dem Moment, in dem eine menschliche Eizelle von einem Spermium befruchtet wird, entsteht ein enorm heller Lichtblitz, den Biologen und Humanmediziner Zinkfunken ("zinc sparc") nennen.


Auch dieser ist wie in der Beschreibung Steiners des Golgatha-Geschehens jenseits des für menschliche Augen wahrnehmbaren Lichtspektrums - er kann aber heute problemlos sichtbar gemacht werden.


Auf Youtube gibt es da beeindruckende Videos, doch habe ich da ein ungutes Gefühl im Bauch wenn man dieses heilige Geschehen im Labor unter dem Mikroskop nur arrangiert um ihn für unsere Augen sichtbar zu machen.


Dennoch finden wir also auch hier das heilige alte Mysterium, das sich auch im Osterhasen und im Osterei ausdrückt.



Ich habe aus verschiedenen amerikanisch-schamanischen Traditionen die Empfehlung gehört, sich vom Herzen her einfach durch Dankbarkeit gleichzeitig mit dem Erdkern und mit der Sonne zu verbinden.


So könne man auf ganz einfache Art und Weise eine enorm tiefe energetische Reinigung und Eröffnung neuer energetischer Möglichkeiten erfahren.


Da nach gnostisch-christlicher Ansicht der Sonnengeist nun im Erdkern, im menschlichen Herz und in der Sonne wohnt, könnte ein gnostischer Christ solch eine Übung einfach dankbar annehmen und würde es wahrscheinlich auch machen, da diese Vertreter der Christenheit sich eben meist durch weniger Berührungsängste auszeichnen.


Wahrscheinlich würde ihn aber sein Gewissen anhalten, dazu etwas anzumerken:


Durch esoterisch-energetisch-spirituelle Übungen kann man sicher gewaltige Macht über seine Umwelt aufbauen und wahrscheinlich sogar seinen Körper in übermenschlicher Weise kontrollieren lernen.


Doch niemals wird man ohne die Hilfe des Jesus Christus seine eigene Korrumpiertheit überwinden können, über die man - je mehr Macht man hat - umso härter stolpert.



Aber was war genau der Lohn für jene Erzengelwesen, die man hierzulande als Menschen bezeichnet ?


Für den jungen Hegel - dem intellektualisierte Philosophen das Prädikat "gnostisch wahnhaft" verliehen - war es zuallererst die Vernunft, die dem Menschen durch Christus am Kreuz verliehen wurde.


Dem, dem das zu banal klingt, würde Hegel vermutlich antworten, dass er durch seine Intellektualisierung sich der Vernunft nicht einmal mehr im Verständnis annähern könne.


Er sah in der Vernunft die Fähigkeit des Menschen die göttliche Ordnung zu verstehen und ihr gerecht zu werden - etwas was seiner Meinung nach der intellektualisierte Geist niemals können wird.


Zum Kontrast nennt Steiner hier sehr erhellend die bekennend gottlosen (sachliche Übersetzung von atheistisch) Ideologien, die sich von Marx ableiten (Kommunismus, Faschismus, nationaler und internationaler Sozialismus):


Auch sie wollten sicherlich anfangs aufrichtig Gutes tuen, doch fehlte ihnen in ihrer Intellektualisierung jene Vernunft, so dass sie am Ende eben doch nur Leichenberge auftürmten.


Nach Steiner meinte Jesus dies, als er mahnte "Ohne mich könnt Ihr nichts machen!".

(Zumindest nichts Gutes.)


Sicher liegt es auch daran, dass diese Ideologien wegen ihrer materialistischer Grundlage eben nur den Nutzen und nicht den Wert des Menschen bestimmen konnten - was aber kein Widerspruch ist:


Denn auch den Wert des Menschen kann nur die Vernunft erkennen und nicht der Intellekt.


Und es ist ja gerade das, was die Vernunft im Gegensatz zum Intellekt wahrheitsfähig macht: Das die Vernunft eben erst anfängt zu wirken wenn das Ganze erfasst wurde und nur das Ganze wahrheitsfähig ist.


Und das Ganze ist für den Mensch so erst erfassbar geworden, nachdem sich das Ewige mit dem Nichtigen verband, sich ihm voll hin gab und sogar in ihm starb - und wieder auferstand.


Der Intellekt beschäftigt sich nur mit Teilen der Realität (z. B. die Naturwissenschaften nur mit dem materiellen und die Theologie nur mit dem Geistigen) und liefert so auf die schnelle vielleicht brauchbare, aber eben niemals wahre Einsichten).


Deswegen geht es ja in den respektablen und wertvollen Naturwissenschaften auch nur um "(methodisch) richtig oder falsch" und niemals um "wahr oder falsch" - im zweiten Fall ist sie schon zu einem abstrusen intellektuellen Aberglauben verkommen.



Der spätere Hegel erkannte es als seine Lebensaufgabe "die Gottesschau dem Denken begreiflich zu machen" - also die Synthese aus Logik und Mystik, bzw. den Einklang des eigenen Denkens mit dem des Schöpfers.


Für ihn wurde die Bedeutung des Karfreitag unermesslich: Dieser war der Startschuss einer Reise für die Menschheit zur absoluten Freiheit - wobei diese erst am Ende der Menschheitsentwicklung erreicht werde.


Und sogar Gott wuchs an diesem Tage für Hegel über sich hinaus, als er als das "Sein" (Christus) sich mit dem Tod ("Nicht-Sein"), den es nur auf dieser niedersten materiellen Ebene gab, verband, erneuerten sich in diesem Moment alle Welten und das Universum ist seitdem ein anderes.


Auch da stimmt er wieder mit Steiner überein, für den die Geschehnisse im Materiellen vorher nur passive Spiegelungen des Geschehens in höheren Welten waren - aber seitdem gleichberechtigt mit allen höheren Welten sein können.



Steiner gab auch unumwunden zu, dass er in fast allem mit Hegel übereinstimmte, aber der Unterschied im Anliegen der Zielsetzung lag: Bei Hegel war es Welterkenntnis und bei Steiner Selbsterkenntnis.


Beide teilen auch zwei Grundunterschiede zu den Gnostikern früherer Tage:


Zum einen, dass beide das Denken favorisieren während die Alten sich mehr auf mystische alchemistische Praktiken und intuitive astrosophische Betrachtungen verließen.


Aus diesem Grund nannte sich Steiner auch selbst neugnostisch, da das Verständnis dieser damals mehr intuitiven Sterndeutungspraktiken verloren gegangen sei und es dem modernen mehr denkendem Bewusstsein schwer falle, diese nachzuvollziehen.


Astrosophie ist hier das deutlich passendere Wort als Astrologie da sie weniger konkrete Prognosen zum eigenen Vorteil machten - sie nutzten vielmehr die Astrologie um die Welt, die Weltgeschichte und die Stellung der Menschheit in ihr zu verstehen.


Der Wechsel zum reinen Denken erfolgt aber für Steiner auch einfach daraus, dass er den Christus auf einer bestimmten Ebene mit dem reinen Denken Gottes gleich setzte und die "Durchchristung" der Menschheit seit dem Mysterium von Golgatha immer weiter fortschreitet und so die Kräfte des Denkens zunehmen, während mondhafte Intuition und Hellsichtigkeit nachlassen.



Zum anderen sehen beide im Gott des alten Testamentes nicht mehr den bösen Demiurgen, sondern einen strengen Lehrmeister, der das Volk der Juden erfolgreich vorbereitete den Leib des Erlösers hervor zu bringen.


Deshalb konnte auch nur den Juden - die dieses Joch aus strengeren sittlichen und Ernährungsvorschriften als für andere Völker lange Zeit trugen - die Ehre zu Teil werden, ihn aus dem Schoße ihres Volkes zu gebären.


Dass der Verrat durch die Schriftgelehrten passieren musste und diese vom Demiurgen besessen waren, heißt ja nicht dass alle Schriftgelehrten unter diesem finsteren Einfluss stehen musste.


Dann müsste man ja auch den gleichen Maßstab an unseren Glauben hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs durch die "christlichen" Geistlichen anlegen.


Auch Nikodemus, der sich von Jesus demütig belehren ließ, ihn verteidigte und letztlich Jesu Leichnam mit teuren Ölen salbte, war selber ein angesehener Schriftgelehrter - er wurde sogar von Jesus selbst als "Lehrer Israels" bezeichnet.


Auch einen anderen Schriftgelehrten lobte er mit den Worten "Du bist nicht fern dem Reiche Gottes!".


Beide stimmten aber auch damit überein, dass der YHWH-Kult mit dem Mysterium von Golgatha seine heilsgeschichtliche Mission erfolgreich erfüllt hat und sich damit selbst überlebt hat.


Und Steiner betrachtete den Christus als grundverschieden vom Gott YHWH, der eben seine zeitliche Mission erfolgreich erfüllt hatte und heute auf den Menschen nur noch sehr selten und dann in seinen Träumen einwirkt - weil er eben eine Mondgottheit ist.


Genau genommen hat er ja auch Züge eines Saturngottes, da er ja auch für das harte unerbittliche Gesetz steht - und schließlich ist der Sabbat ja auch der Samstag, also der Saturntag.


Das ist astrosophisch überhaupt kein Widerspruch: Denn der Saturn braucht 29,5 Jahre für eine Reise durch den Tierkreis und der Mond 29,5 Tage.


Eine seit über tausend Jahren bewährte astrologische Technik, die sogar heute noch viel angewendet wird, rechnet deshalb vom Geburtshoroskop an einen Tag für ein Jahr und schaut auf den Mond - so konnte man vor den Computern große Zeiträume auf einfache Art überblicken mit einer erstaunlich guten Prognosegüte.


Man kann also im astrosophischen Weltbild von einer geradezu "schicksalhaften" Verbindung von Mond- und Saturnkräften sprechen.


Im modernen Bild vom Mond als dem inneren Kind passt es ebenfalls, weil ja Regeln und Vorschriften und die Folgen bei Nichteinhalten (früher Schlafen, kein Fernsehen, usw.) Teil jeder Kindheitserfahrung sind.


Astrologisch geht man bei Kindern davon aus, dass das Mondprinzip von Geburt an wirksam ist und das Sonnenprinzip - das Selbst und die eigenverantwortliche Freiheit - erst später wichtig wird.


Nach hermetischen Gesetzen kann und sollte man davon ausgehen, dass das Geschehen im menschlichen Mikrokosmos auch im Makrokosmos der Menschheit statt findet.


Aber natürlich bleibt das Mondprinzip im Menschen weiterhin wichtig, und so feiert man eben auch nicht nur den Ostersonntag sondern auch den Ostermontag.


Und einen Konflikt zwischen Sonne und Mond - analog zwischen männlich und weiblich wie es moderne intellektuelle Ideologien propagieren - kennt die Astrosophie nicht.


Wohl aber harmonische und spannungsgeladene Beziehungen dieser beiden größten Lichter - wobei Spannungsgeladene wenn durch Bewusstheit erlöst zwar weniger gemütlich dafür aber wesentlich dynamischer sind.



Luthers Sicht


Zu der Zeit, als der notorische Querkopf Luther die Weltbühne betrat um sein Werk zu verrichten, war der Karfreitag durch Papst Urban zu einem gewöhnlichen Werktag herabgestuft wurden.


Luther argumentierte dagegen wie folgt:


Dass Gott den Tod umkehren kann sollte doch keinen Gläubigen verwundern.


Dass eigentliche Wunder der Wunder ist doch, dass er dies (und die für Jesus noch viel schlimmere Übernahme der Sünden!) für die verkommene Menschheit tat.


Und das noch an einem Tag, als sie sich von ihrer hässlichsten Seite mit Lüge, Verrat, Schändung, Folter, Mord und - was für Jesus am schlimmsten war - sogar dem Abfall der Jünger zeigte.


Das war für Luther die größte Demonstration was bedingungslose Liebe bedeutet, die jemals auf Erden statt gefunden hat, und impliziert zwei Dinge:


Der Mensch ist unermesslich wertvoll und unermesslich bedürftig zugleich.


Und so wurde der Karfreitag der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche - wobei er eben ein sogenannter "stiller Feiertag" ist:


Er wird nicht jubelnd begangen, sondern als bewusstes Anerkennen des Scheiterns.


Auch im Dragon Dreaming wird ja dem Feiern des Scheiterns große Wichtigkeit beigemessen als unverzichtbare Kraftquelle.


Der Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeut Raphael Bonelli spricht ja gerne begeistert davon, welche "Immunabwehr" gläubige Christen der grassierenden Narzismus-Pandemie entgegensetzen:


In der Therapie gelingt es ihnen wie kaum anderen sich ihre Fehler und Schwächen bei vollem Erhalt ihres Selbstwertgefühls einzugestehen.


(Er schränkt ein, dass auch diese wie alle Menschen narzistische Züge haben - diese aber wesentlich seltener die pathologische Schadschwelle überschreiten und dann auch besser therapierbar sind.)


Karfreitag ist also ebenso wie das Bild von Jesus am Kreuz kein pathologischer Todeskult, sondern die bewusste Hinwendung zum Herz der Finsternis um es zu durchlichten und zu erlösen.



Eine Warnung:


So heilig der Karfreitag auch sein mag, es ist einer der schlechtesten Tage im Jahr um sich ins astrale hin zu öffnen: Sogar nicht wirklich christliche Schamanen im Amazonas lassen an diesem Tag (Donnerstag Abend bis Freitag Abends - manchmal auch bis Samstag Nachmittag) alle Arbeit ruhen, weil negative Energien übermächtig sind.


Umgekehrt muss man im Altiplano sehr aufpassen, denn alles was aus Heimtücke und Boshaftigkeit getan wird (Rache, Eifersucht, usw.) regeln die streng gläubigen katholischen Indigenen gerne an diesem Tag.


Weil sie dann nur weltliche Justiz und Ärger mit den Opfern fürchten müssen, nicht aber den Zorn Gottes - weil der eben an diesem Tag tot ist.


Auch in Europa gibt es wahrscheinlich noch so alte Gruppierungen, die in dieser Hinsicht Unfug treiben.


Und selbst wenn nicht hat es ja seine berechtigte Grundlage in der Dualität, dass eine Nacht auch der anderen Seite gilt.


Ich habe mehrfach schon von Leuten - die davon nichts wussten - gehört, dass sie in dieser Zeit sehr unangenehme Erfahrungen machten.


Vielleicht war der alte NRW-Präsident Rau ja schlau, als er bis zum Ende seiner Amtszeit das Tanzverbot an diesem Tage - das dann ja auch für Techno-Partys galt, an denen es mancher "zu bunt" treibt - mit Macht durchsetzte.



Sonntag und der Sonnengeist


Früher war der erste Tag der Woche der Sonntag und als solcher der Sonne geweiht.


An dieser Stelle ist es sicher mal angebracht die Rolle der Sonne zumindest in den meisten, wenn nicht allen Völkern und deren Seelenleben, zu erhellen.


Die Griechen sprachen seit Heraklit und seinen Nachfolgern vom Logos - dem reinen Denken Gottes - dass sie als Person mit dem Erschaffer ("Schöpfer") aller Dinge und Wesen gleich setzten.


Der höchste Gott war für sie genau wie für die Inder unbeschreibbar und er hat - wenn überhaupt - nur einmal etwas erschaffen, und zwar den Schöpfer - der dann wiederum alles was ist erschaffen hat, erschafft und erschaffen wird.


Das macht er durch sein Denken - er denkt die Stein-, Tier- und Pflanzenarten ebenso wie die individuellen Tiere, Pflanzen, Menschen, etc. und dadurch existieren sie und wir.


Das höchste Mantra der Inder - das Savitri Gayatri Mantra - richtet sich an diese Kraft.


Wenn die Inder nach dem Unterschied zwischen Surya und Savitri (beides bedeutet Sonne) gefragt werden, sagen sie gerne "Savitri ist die Sonne wie sie auch nachts wirkt".


Also eben nicht nur die Spenderin von Nahrung, Wärme und für die Augen verwertbaren Lichtes sondern auch des Bewusstseins und der Existenz selbst.


Und Ägypter, Inder, Griechen und die meisten Völker der Welt waren sich einig, dass dieses Wesen zwar größer als die materielle Welt ist, aber innerhalb der materiellen Welt die Sonne sein Leib ist.



Wer das Gayatri Mantra kennt, weiß vielleicht dass es anders als die typischen Mantren nur eine Umschreibung, ein geistiges Hinführen ist und keine konkrete Aussage.


Das lag daran, dass der Sonnengeist in der Zeit nur für die wenigsten - die, die in die Sonne schauen konnten - erfassbar war in der Zeit als es den Menschen offenbart wurde.


Aber die meisten Kulturen rechneten damit, dass sich der Sonnengeist einmal als Mensch inkarnieren wird und damit das Leben auf der Erde grundsätzlich reformieren würde.


Oft meinte man schon vorher es sei schon geschehen:


Sowohl Azteken als auch Inka hatten Könige, die von ihren Anhängern als herab gestiegener und menschgewordener Sonnengeist verehrt wurde.


Aber obwohl sie prächtige Pyramiden und Tempel bauten, ihre Feinde in großer Zahl töteten und ganze Berge von Menschen opferten (Azteken), setzte sich diese Ansicht nicht so recht durch - im Gegensatz zu dem Glauben an den jüdischen Zimmermann, der sich ans Kreuz nageln ließ für andere.


Das sagt sicherlich viel über die Menschheit aus und meiner Meinung nach nichts Schlechtes.


Bei den Japanern waren es interessanterweise Frauen, die im frühen Japan als Inkarnationen der Sonnengöttin Amaterasu starke religiöse Autorität und manchmal auch die höchste politische Macht innehatten, wie z. B. Himiko (deren Name Sonnen-Prinzessin bedeutet), die die ersten Kontakte nach China anbahnte.


Sie war auch der erste Mensch, der in Japan die Königswürde erlangte.


Auch heute noch stammt offiziell die Tennofammilie von der Sonnengöttin ab.


Auch bei uns Deutschen ist die(!) Sonne ja "weiblich gelesen" und auch im Hinduismus kann das höchste Selbst der Sonne männlich (Savitr) und weiblich (Savitri) erscheinen.


Doch die Sonne als Gottheit war bei den Germanen männlich: Baldur - der wie Jesus heimtückisch ermordet wurde und dessen Wiederauferstehung in der Edda prophezeit war (weshalb wohl viele Germanen den christlichen Glauben annahmen).



Für den Astrologen sollte das nicht verwunderlich sein: Die Sonne - die im Horoskop anzeigt wie (Zeichen) und wo (Lebensbereich - Haus) man sein Licht scheinen lässt - findet sich eben bei allen Frauen wie auch bei allen Männern im Horoskop.


Deshalb gibt es in unserer Kultur ja die Sonntagsruhe: Einmal die Woche soll der Mensch die Gelegenheit haben sich mit seinem "Pneuma" - dem innewohnenden "unbewegten Beweger" - zu verbinden um daraus die Kraft für das Werk der nächsten Woche zu schöpfen.


Und interessanterweise kam das Ausruhen vor der Arbeit - ähnlich wie es australische Aborigines und Chinesen teilweise sahen, dass das Feiern und die Freude nicht Belohnung sondern Quelle der Kraft sein sollten.



Bei allen Hoffnungen, die die Völker auf diese Erneuerung der Schöpfung setzten, sei hier mal der "Tierfrieden" (wie ihn die Griechen nannten) besonders hervor gehoben:


Jes 11, 6-8: "Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und der Pardel bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden an der Weide gehen, dass ihre Jungen beieinander liegen; und Löwen werden Stroh essen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Otter und ein Entwöhnter wird seine Hand stecken in die Höhle des Basilisken."


Nach mancher griechischen Überlieferung gab es diesen Tierfrieden im goldenen Zeitalter schon einst.


Doch weil der Mensch - dessen Aufgaben das Hüten der Feuers und der Moral waren - seelisch aus dem Gleichgewicht kam, fingen auch die Tiere an sich grausam gegenseitig zu fressen.


Die moralische Tugend des Menschen damals beruhte auf dem kindlich-mondhaften artigen-gehorsam gegenüber den Göttern.


Der neue Tierfrieden wird sich nach Ansicht vieler christlicher Mystiker erst auf Grundlage der eigenverantwortlichen Freiheit des Menschen entfalten können und nicht auf Gehorsamsbasis gegenüber Veganismus- und anderer Gutmenschenideologien.


(Kain war übrigens der Ackerbauer an dessen Opfer YHWH keinen Gefallen fand: Wenn man einen Hektar für Gemüse pflügt tötet man mehr als eine Milliarde kleiner Tiere und nimmt vielen Tieren den Lebensraum - für die gleiche Kalorienmenge muss der Jäger nur sehr wenige große Tiere töten und kann die Natur ungestört lassen.)


Wobei dennoch bedeutende Mystiker jüngerer Zeiten wie Aivanhov ehrbare Veganer waren und das Phänomen der Lichtnahrung - die als einzige Nahrungsform wirklich nichts tötet - im Christentum laut langjähriger Erforschung des Phänomens deutlich häufiger vorkommt als in anderen Religionen.


(Bsp. der Schweizer Nationalheilige von Flüe oder Therese Neumann - zu der sogar Yogananda reiste.)


Die Kraft, die eigenverantwortliche Freiheit auch umzusetzen, beruht auf dem "inneren Feuer des Herzens", dass Jesus nach christlichem Glauben in unser Herz gelegt hat.


Um dieses Mysterium im Äußeren nachzuvollziehen, entzünden katholische Gläubige nach der Messe der Osternacht jedes Jahr erneut das "ewige Licht".


Dazu wird vorher am Abend des Gründonnerstag das alte "ewige Licht" gelöscht um auch symbolisch Anteil an Jesu Reise in das Herz der Finsternis zu nehmen.


Und in vielen Teilen Deutschlands wurde auch ein Osterfeuer im Freien entfacht um auch die Natur am Ostersegen teilhaftig werden zu lassen.


Man verbrannte auch Kleidung von Kranken in diesem Osterfeuer um Krankheit in die Heilung zu drehen und auch Gegenstände, die mit leidigen Themen assoziiert waren, um diese zu erlösen.


Oft nahmen Hausfrauen hinterher von der Glut mit nach Hause um darauf Speisen am Herd zu bereiten, die dadurch einen besonderen Segen enthielten, und Kerzen zu entfachen, die das Haus segnen sollten.


Das Feuer wurde dann bis zur Sonnenwende am Brennen erhalten, an dem dann die Hausfrauen vom Sonnwendfeuer wieder Glut mit nach Hause nahmen bis zum Michaelifeuer (Herbstgleiche).


Die sakralen Feuer - das ist für das praktische Osterfeuer wichtig ! - wurden früher stets mit einem großen Feuerbohrer von allen bei der Feier Anwesenden entfacht.


Die Deutschen maßen den Feuern, die die Gemeinschaft entfachte, stets einen größeren Segen zu als einem Feuer, das ein "Einzelkämpfer" entfachte - auch weil die guten Absichten aller beim Entfachen in die Flamme übergingen.


Das lässt sich heute noch einfacher bewerkstelligen, wenn alle gleichzeitig die Daumen aufeinander legen und so mit einem Elektrofeuerzeug das Feuer entfachen.


Ostermontag


In der Astrologie steht die Sonne ja auch für den König oder Herrscher und der Mond für das Volk oder die, die einem weltlichen oder spirituellen Meister nachfolgen.


Nachdem der Herr also passenderweise an einem Sonntag auferstand, zeigte er sich an einem Montag seinen Jüngern - die zu diesem Zeitpunkt noch mondenhaft folgend oder reaktiv waren.


Aber die frohe Botschaft wäre keine frohe Botschaft wenn das für immer so bleiben sollte, denn Jesus sagte seinen Jüngern: "Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist WIE sein Meister." (Lk 6 40).


Aber dennoch feiert man an diesem Tag den Moment der Erleichterung, der Freude und der Bestätigung im reaktiven Gemüt - vielleicht weil es hier symbolisch auf das "Selbst" und nicht auf die Geschehnisse der Außenwelt reagiert (auch wenn das "Selbst" hier im Außen als Jesus erscheint).


Es sei vielleicht noch geschrieben, dass das Mondprinzip nach Golgatha zwar aufgehört hat den Menschen zu führen, es aber weiterhin viele Aufgaben in der Schöpfung weiterhin treu erfüllt - auch dafür gebührt ihm Ehre.



Auferstehung im Morgengrauen des dritten Jahrtausend in Mittelerde


Dieser Text will aufzeigen, dass die alten und neuen Mysterien der ganzen Menschheitsfammilie alle Menschen angehen und auch die, die nicht im Christusstrom sind, am Osterfest unserer Ahnen Anteil nehmen können.


Doch mit welcher Absicht ist es Recht, mit seiner Aufmerksamkeit diese Mysterien zu ehren und zu nähren ?


Nach Steiner beginnt jeder nachhaltige Altruismus im Christentum mit einem Egoismus und jedes zeremonielle Geschehen hat eine individuelle und eine gemeinschaftliche Seite.


Was bedeutet die Auferstehung also für den Einzelnen ?


Für den, bei dem alles rund läuft, kann es ganz einfach bedeuten, dass man jetzt mit steigendem Vitamin-D-Spiegel und nach auskurierter Karnevalsgrippe wieder mehr und produktiver nach außen gehen kann.


Viele Menschen haben in den turbulenten Zeiten der letzten Jahre aber viel verloren oder harte Schicksalsschläge erlitten - auch "unverschuldet".


Der berühmte Mystiker Daskalos (Stylianos Atteshlis), zu dem Menschen aus aller Welt fuhren um sich in verschiedene Myterien einweihen zu lassen, soll dazu von der sogenannten Judas-Erfahrung gesprochen haben:


Diese Einweihung könne nicht von Menschen gegeben werden, sondern nur vom Leben selbst an dem Punkt, wo der Schüler - der dem auf Seelenebene vor seiner Geburt zustimmte - bereit ist.


Sie besteht in der Erfahrung des vernichtenden Verrates obwohl man meint alles richtig gemacht zu haben (Krankheit trotz gesunden Lebenswandels, schlecht behandelt werden obwohl man freundlich ist, etc.).


Ein nordamerikanischer indigener Pfeifenhüter drückte es einmal etwa so aus, wie er Menschen beurteilt:


Es sei im absolut egal, was ein Mensch im Leben geleistet oder erreicht habe.


Ihn interessiere nur wie er an dem Punkt, an dem er sich vom Leben verraten und verkauft fühlte, verhalten hat.


Hat er sich in sein Schneckenhaus zurück gezogen und bleibt nun darin ?


Ist er ebenso brutal und ungerecht geworden wie das Leben ?


Oder hat er gesagt "Jetzt erst recht !" und ist weitergeschritten auf dem Pfad des Lebens und der Menschlichkeit ?


Nur in letzterem Falle kann er sicher sein, dass nicht das mondenhaft-kindliche-Belohnung-Strafe-Prinzip ihn regiert sondern sein inneres Licht - sein innerer Sonnen- oder Christusfunke.


Manch einer bleibt nach schweren Schicksalsschlägen auch länger liegen als drei Tage, oder auch länger als bis zum nächsten Osterfest - dennoch erinnert ihn dieses Fest daran, dass diese Kraft auch in ihm liegt und er zu jedem späteren Zeitpunkt auch selber wieder auferstehen kann.


Und es ist sicherlich nicht zu seinem Schaden, diese Kräfte an diesem Tage auch zu nähren und zu ehren.



Auf gesellschaftlicher Ebene der deutschen Kulturnation haben wir diese Zeit leider nicht, falls Steiner recht hatte:


Er sagte schon vor über 100 Jahren, dass der deutsche Geist Tod ist durch säkulares, rein materialistisches Denken - was der Anthroposoph Michael Ende in seiner "unendlichen Geschichte" als das "Nichts" umschrieb.


Aber wir Deutschen haben alles, was wir haben, vom Christentum: Ohne die Christianisierung wären wir wahrscheinlich noch heute germanische Stämme, die sich für Land und Beute die Schädel einschlügen.


Natürlich kann es hier nur um den christlichen Volksgeist gehen - den selbst Atheisten wie Schiller als höchstes und heiligstes Ideal bezeichneten, dem es lohnt nachzueifern - und nicht um irgendein konfessionelles Christentum.


Selbst unser früherer "Erbfeind" - der Vatikan - bezeichnet den höchsten der Erzengel Michael als Patron der Deutschen - was der Ursprung des Begriffes "deutscher Michel" ist.


Der Sonnengeist Christus ist Vater, Hebamme und Bestimmung unseres Volkes - und wenn wir die Sonnenkraft nicht freiwillig und bewusst leben, wirkt sie eben durch uns in ihrer dunklen Form:


Die Swastika der Nazis war ebenso ein Sonnensymbol wie die Sonne des imperialistischen Japans - und die auf der Symbolebene sehr bewusste SS verehrte sogar die "schwarze Sonne" auf der Wewelsburg".


Das dunkle Sonnenprinzip ist in der Astrologie Herschsucht und Selbstherrlichkeit - auch heute wirkt in Deutschland eine Kraft, die am liebsten sogar bestimmen würde was die Menschen essen und wie sie reden sollen aber sich dabei moralisch erhaben fühlt, die ein florales Sonnensymbol im Wappen trägt.


Die Welt hat derzeit wirklich genug davon, dass wir allen Völkern erklären wollen, wie sie zu leben haben.


Andererseits ist dies laut Steiner eigentlich die Aufgabe der Deutschen - und die Welt würde es seiner Meinung nach gerne annehmen, wenn wir vernünftig und nicht intellektualisiert denken würden.


So waren wir noch vor wenigen Jahrzehnten oft angefragte Vermittler bei Kriegen und Bürgerkriegen anderer Völker - heute möchte man unsere Vermittlung nicht mal mehr, wenn wir sie aufdrängen.


Und er warnte, dass wenn wir dies nicht leisten, die ganze Menschheitsfammilie ihren moralischen Kompass verlieren würde und sie für lange Zeit nichts weiter als ein heilloses Haifischbecken sein werde.


(Auch Tolkien meinte Mittelerde als versteckte Metapher für Mitteleuropa - große Denker Chinas und Japans wie auch Seher amerikanisch-indigener Völker stimmten überein, dass Mitteleuropa in unserer Zeit eine entscheidende Rolle am Schicksal der gesamten Menschheitsfammilie zukommt.)


Aber Steiner sagte auch, der deutsche Geist könne erst wieder auferstehen, wenn das deutsche Geistesleben sich vollständig entpolitisiert hat.


Heute zerfleischen wir uns wieder wie die alten Germanen untereinander - nur eben nicht mehr um Land und Beute, sondern um links und rechts, pro-Ukraine oder pro Russland, pro Gendern oder dagegen, usw.


(Damit tue ich den Germanen natürlich unrecht: In ihrer Zeit war es auf ihrer Entwicklungsstufe sinnvoll, ihre Kraft auf dem Schlachtfeld zu finden - das gilt aber für uns Deutsche sicher nicht mehr.)


Leider hat die wilde Mischung aus Verantwortungssinn und Aggressivität, die Teil unseres germanischen Erbes ist, nicht mehr diese Führung, die aus dem echten volkschristlichen Geist herrührte - und ihn zwar äußerlich sanft aber geistig umso mächtiger als Impulsgeber für die ganze Menschheit machte.


Wer bis hier gelesen hat, wird aber auch mit mir und Steiner übereinstimmen, dass wir als Volk unser Heil nicht in der Rückkehr zum konfessionellen Kirchenchristentum finden können - wobei das für den einzelnen bestimmt in einer guten Gemeinde zum Segen gereichen kann.


Steiner formulierte es so: "Das Christentum musste als Religion beginnen und wird als Religion aussterben - aber als Wissenschaft wird es die Welt erobern."


Moderne Rechtstaatlichkeit (als Idee maximaler Freiheit des Menschen ohne Chaos) ist ebenso maßgeblich von Hegel beeinflusst wie (in um 180 Grad umgedreht materialistisch pervertierter Form) der Marxismus.


Damit hat Hegel - der sich immer als Theologe sah - die Betriebssysteme der modernen Welt geschrieben. (oder zumindest deren Quellcode - auf jeden Fall hatte Steiner teilweise Recht, genau wie mit C. G. Jung, auf den ich später komme.)


Aber Hegel warnte schon, Rechtstaatlichkeit könne nur funktionieren, wenn das Volk eine radikale volkschristliche Glaubensbasis im Herzen trägt - und die daraus folgenden Werte des "Guten, Wahren und Schönen".



Dass immer noch moralische auf Werten beruhende Kraft in uns steckt, haben wir ja zuletzt bei der Ahrtalhilfe bewiesen.


Doch zur eigenverantwortlichen Freiheit gehört es eben auch, auf Grundlage unserer Werte eigene vernünftige Gewissensentscheidungen zu treffen.


Und die meisten Menschen haben da Fluchttendenzen, was Heidegger wie folgt begründet:


Wenn man eigenständig denken will kann man das nicht anders machen, als dass man "wild drauf los denkt" - Denken hat jedes mal erneut Premiere.


Und es ist unvermeidbar, dass man beim Selberdenken Fehler macht - was die Menschen fürchten.


Aber der einzige unverzeihliche Fehler ist es, aus diesem Grunde nicht eigenständig zu denken.


Heidegger sagte das im Rahmen seiner Selbstkritik, dass er die Abgründe des Nationalsozialismus vor seiner eigenen Nase nicht erkennen konnte.


Eine weitere Aussage von ihm ist: Eigenständiges Denken ersetzt sehr häufig einen Mangel an Bildung - aber alle Bildung der Welt kann niemals eigenständiges Denken ersetzen.


Tatsächlich äußerten sich Bonelli und Gerald Hüter vor kurzem zu einer Studie, die belegt dass Akademiker hoch signifikant anfälliger für totalitäre Ideologien sind.


In jüngerer Zeit werden uns einerseits "verlockende" Angebote gemacht, uns das Denken abzunehmen - sei es durch Ideologien oder durch "Experten", die uns mit ihrer extrem verkomplizierten Sprechweise zu verstehen geben sollen, dass wir es besser lassen sollten mit dem eigentändigen Denken.


Man muss auch immer mit "Angeboten, die man nicht abschlagen kann" rechnen, wenn sich - reale oder vorgetäuschte - Krisen abzeichnen, was weltweit in immer heftigerer Form und schnellerer Abfolge statt findet.


In unserer Zeit mag es sein, dass Auferstehung auf gesellschaftlicher Ebene auch etwas mit Aufstehen zu tuen hat.


Und die Frage ist:


Handeln wir wie "Bioroboter" nach einem imaginierten "Handbuch für politisch korrektes Verhalten" und nehmen auch dessen vorgegebene Einheitsmeinungen an ?


(Eine Manifestation des unerlösten Mondprinzips - der Begriff "fauler Frieden" stammt übrigens aus den Evangelien.)


Oder treffen wir individuelle Entscheidungen auf Grundlage der Wahrhaftigkeit, ehren das Schöne und tuen auf dieser Grundlage das Gute ?


(Ein sehr gutes Indiz, auf dem richtigen Weg zu sein, ist nach Jesus, dass man nicht von allen gemocht wird.)



Vielleicht sieht es so aus, als vermische ich hier persönliche und völkische Ebene, aber das ist nach Ansicht vieler unserer größter Denker nicht zu trennen - es geht da um den Begriff deutsche Innerlichkeit:


Wahrscheinlich haben Schiller und Goethe diesen Begriff in ihren Betrachtungen zum deutschen Volksgeist geprägt doch er wurde über Hegel bis Heidegger von den meisten deutschen Denkern so geteilt - und sogar von linken Antideutschen wie Thomas Mann verteidigt:


„Zartheit, der Tiefsinn des Herzens, unweltliche Versponnenheit, Naturfrömmigkeit, reinster Ernst des Gedankens und des Gewissens, kurz, alle Wesenszüge hoher Lyrik mischen sich darin, und was die Welt dieser deutschen Innerlichkeit verdankt, kann sie selbst heute nicht vergessen: Die deutsche Metaphysik, die deutsche Musik, insbesondere das Wunder des deutschen Liedes, etwas national völlig Einmaliges und Unvergleichliches, waren ihre Früchte.“


Die deutsche Innerlichkeit stellte einen radikalen Gegenentwurf zum Nationalismus dar, weil sie dich zum einen durch die prägende Wirkung der deutschen Sprache auf das Bewusstsein, zum anderen eben Volk von folgend ableitend auf gemeinsame Werte bezieht.


Insbesondere dem Wert der Sprache - die auch die Grenzen der deutschen Kulturnation zieht - maß Heidegger größte Bedeutung bei, als er sagte: "Die Sprache ist das Haus des Seins."


Und er meinte - falls es den deutschen Geist noch gibt - sei die Sprache die Spur, der man folgen müsste: "Die Deutschen stehen in einer besonderen Beziehung zur Sprache und zum Denken."


Doch auch wenn wir dieser Spur folgen, ist es unwahrscheinlich dass wir derzeit den deutschen Geist lebend antreffen, den Hegel wie folgt beschreibt: "Im deutschen Geist ist die Freiheit als solche zum Bewusstsein gekommen."


Der Atheist kann nur hoffen und der Gläubige nur beten, dass dieser Geist zeitnah aufersteht, denn die Angriffe auf die Freiheit - die heute auch von technologischen Entwicklungen und von Algorithmen, die unser reaktives mondenhaftes Gemüt manipulieren, ausgeht - wird die Menschheitsfammilie nur als gemeinsame Anstrengung bewältigen können.


Und kein Volk hat das Recht sich diesem Kampf mit Ausreden wie "mich gibt es doch gar nicht !" zu entziehen, den Schiller in seinem Gedicht "deutsche Größe" für uns Deutsche wie folgt konkretisiert:


Höhern Sieg hat der errungen

Der der Wahrheit Blitz geschwungen,

Der die Geister selbst befreit

Freiheit der Vernunft erfechten

Heißt für alle Völker rechten

Gilt für alle ewge Zeit.



Ich schrieb ja eingangs, ich wollte aufzeigen warum spirituelle und sogar atheistische Nichtchristen durchaus Ostern feiern können.


An dieser Stelle ein letztes Steinerzitat:


„Eine Zeit wird kommen, wo derjenige, der Anhänger der chinesischen, der buddhistischen, der brahmanischen Religion ist, es ebenso wenig gegen seine Religion finden wird, das Mysterium von Golgatha anzunehmen, wie er es gegen seine Religion findet, anzunehmen das Kopernikanische Weltensystem. Und es wird angesehen werden als eine Art von religiösem Egoismus, wenn man sich in den außerchristlichen Religionen wehren wird, diese Tatsache anzunehmen. Die Tatsache, die eben jetzt vom Mysterium von Golgatha geltend gemacht worden ist, hat mit irgendeinem konfessionellen Christus nichts zu tun, sondern ist eine objektive okkulte Tatsache.“ (Lit.: GA 140, S. 22f)


Es geht nicht darum, wie wir dieses Geschenk nennen, das uns vor 2000 Jahren gemacht wurde - und das uns in allen Hochkulturen prophezeit wurde.


Und auch hier sollte - wenn auch nur teilweise aber in immer größerem Maße - Steiner recht behalten:


Viele Autoritäten der Hindus, Taoisten und Buddhisten wie auch Seher amerikanischer Urvölker glauben heute zumindest, dass damals ein starker spiritueller Eingriff in die Weltgeschichte statt fand - ohne deshalb zu irgendeiner christlichen Kirche zu konvertieren.


Z. B. betrachten Ramakrishna und die Vertreter seiner Linie Jesus als Avatar - als Inkarnation Gottes als Mensch - wobei das für Inder natürlich in jedem Zeitalter mindestens einmal geschieht.


Für Thich Nhat Hanh war Jesus ein spezieller Bodhisattva und zahllose Taoisten sehen in Jesus eine "Hsien" - einen "Unsterblichen" im Pantheon derer, die man schon mal um Führung oder Beistand anruft.


Auch viele Kogi glauben, dass Jesus der Sonnengeist selbst war, doch dass ihnen eben ein anderer Weg bestimmt sei als der des Kirchgangs.



Aber auch dem richtigen Atheisten - nicht jedoch dem Nihilisten - ist eine Teilnahme am Osterfest statthaft, wie Carl Gustav Jung es verstand:


Als Sieg der Individuation oder des Selbst über die Konditionierungen oder die Persona.


Und da seiner Beobachtung nach jeder echten Erfahrung des Selbst eine schmerzhafte Niederlage des Ego oder Persona vorangehen musste, begründete er damit auch den Wert des Karfreitags.


Um diese Aussage in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen, ist ein Blick auf die Biographie dieses in nahezu jedem Lebensbereich in Spannung zwischen extremen Gegensätzen lebenden Menschen zu werfen:


Die meisten Menschen kennen ihn als Begründer der analytischen Psychologie, doch er war ebenso Begründer der psychologischen Astrologie - die sein Spätwerk war und die Grenzen der Psychologie sprengen sollte.


Ich denke man kann ihn mit voller Berechtigung als modernen Astrosophen bezeichnen, nicht trotz sondern wegen seiner ethischen Grundhaltung keine Prognosen zu machen sondern nur die Stellung des Individuums zum Sein im Augenblick zu beschreiben.


Auch war er tief eingeweiht in die alte abendländische Alchemie - die er mit seiner Archetypenlehre sogar teilweise vergeistigte und ihr damit sogar Zutritt zu den Hörsälen verschaffte.


Er trank also aus den Hauptquellen der Gnostiker und erachtete dieses Wissen so würdig, dass er ihm einen Großteil seiner Lebenszeit widmete.


Dennoch verspottete er in jungen Jahren der Glauben mit Aussagen wie: "Ohne den Glauben an Gott ist geistige Gesundheit nicht dauerhaft möglich - auch wenn dieser Glaube natürlich absolut absurd ist."


(Das war nach Aussage eines Wegbegleiters auch der Tatsache geschuldet, dass man in seinem universitären Umfeld zwar Kirchgänger aber keine echten Gläubigen duldete - und somit auch seiner Karriere geschuldet.)


Der alte Jung sagte hingegen „Gott ist eine Tatsache der unmittelbaren Erfahrung.“ und bekräftigte das sogar noch einmal mit der Aussage, er sei kein Gläubiger sondern ein Wissender.


Allerdings hielt der Pfarrerssohn konfessionellen Religion auch als die Hauptursache seelisch-geistiger Leiden in der zweiten Lebenshälfte.


Also machte auch er sich ans Werk, die Spiritualität aus dem alten Rahmen der Religion zu lösen und in den für ihn zeitgemäßeren Rahmen der Wissenschaft zu überführen.


Man kann sicher sagen, dass er das christliche Ostermysterium richtig und vielleicht auch wahrhaftig beschrieb - ob er es jedoch vollständig beschrieb, ist zweifelhaft:


Auch wenn man dieses Mysterium auf diese Art richtig erfasst, bleibt doch die Frage ob man ihm auch aus eigener Kraft gerecht werden kann.


Ein Christ würde sagen, der Mensch bedarf der Hilfe Gottes durch den "Avatar" dieses Zeitalters Jesus schon allein wegen der Sündenübernahme.


Ein Gnostiker würde das verneinen und sagen, mit der Erkenntnis kommt der Mensch schon von selbst drauf, wie er das alles bewerkstelligen kann.


Wegen dieser Frage wurden schon viele Kriege geführt und von beiden Seiten enorm viel Blut vergossen.


Daher kann nur jeder in sich gehen und diese Frage für sich selbst beantworten - doch für jeden ist und bleibt das Osterfest ein Grund zu feiern.


In diesem Sinne: Frohe Ostern !

 
 
 

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